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Glossar wichtiger Begriffe

Hier finden Sie die wichtigsten Begriffe zum Thema Kinderschutz kurz beschrieben.


Was ist eine Kindeswohlgefährdung?

Kindeswohlgefährdung entsteht durch nicht zufällige bewusste oder unbewusste Handlungen oder Unterlassungen in Familien oder Institutionen, die zu Verletzungen, Entwicklungshemmungen oder sogar zum Tod eines Kindes führen können.
Formen: körperliche Misshandlung, seelische Misshandlung, Vernachlässigung,
sexueller Missbrauch


 

 Was sind gewichtige Anhaltspunkte?

Gewichtige Anhaltspunkte ist ein unbestimmter Rechtsbegriff. Wahrgenommene Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung gelten dann als „gewichtig“, wenn sie so schwerwiegend sind, dass sich daraus ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ableiten lässt, der ein Tätigwerden nach §8a SGB VIII zur Folge hat.


Was ist eine Gefährdungseinschätzung?

Eine Gefährdungseinschätzung fi ndet im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte statt und hat zum Ziel, den Grad der Gefährdung des Kindes zum gegenwärtigen Zeitpunkt festzustellen sowie einzuschätzen, inwieweit das Kind in seiner gegenwärtigen Umgebung vor einer zukünftigen Gefährdung seines Wohls geschützt ist. Dabei werden die aktuellen Anhaltspunkte von Kindeswohlgefährdung, die gegenwärtigen Lebensbedingungen des Kindes, die Ressourcen der Familienmitglieder und des Umfeldes sowie die Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft der Eltern und Bezugspersonen einbezogen.


Was sind Ressourcen?

Ressourcen sind „Kraftquellen“, die Personen zur Verfügung stehen bzw. Was sind Ressourcen?
aktiviert werden können, um den Alltag zu bewältigen und belastende Situationen
zu meistern. Es gibt individuelle Ressourcen (Fähigkeiten, Wissen,
hilfreiche Charaktereigenschaften), soziale Ressourcen (Familie, Freunde,
Netzwerke) und materielle Ressourcen (Einkommen, Wohnraum, Auto).


Was ist ein Notfall?

Ein Notfall ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kindeswohl zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesichert ist und das Kind sofort Hilfe benötigt.


Was ist eine fallführende Fachkraft?

Fallführende Fachkraft ist in der Regel die Person, die als Bezugsperson des Kindes Anhaltspunkte für dessen Gefährdung wahrgenommen hat. Im Verfahren nach §8a SGB VIII hat sie in Absprache mit der Leitung die Verantwortung für den Fall, führt das Elterngespräch und übernimmt die Dokumentation. Erfolgt eine Meldung an das Jugendamt, übernimmt dieses die Fallführung. Die fallführende Fachkraft begleitet die Familie weiterhin in der Einrichtung und ist für externe Helfer/-innen die Ansprechperson.


Was ist eine „insoweit erfahrene Fachkraft“?

Die „insoweit (in Sachen Kinderschutz) erfahrene Fachkraft“ muss gemäß §8a SGB VIII zur Gefährdungseinschätzung hinzugezogen werden. Sie wird ausschließlich beratend tätig, übernimmt keine Fallverantwortung und keine Dokumentation. Sie kann aufgrund ihrer Fachlichkeit und Distanz zum Fall eine objektive Sicht auf das Fallgeschehen einbringen und neue Impulse für das weitere Vorgehen geben. Sie ist an der Vorbereitung des Elterngesprächs beteiligt, jedoch in der Regel nicht direkt involviert.

Die „insoweit erfahrene Fachkraft“ kann durch den Träger gestellt werden oder von außerhalb (z.B. von einer Erziehungsberatungsstelle) kommen. Hat eine Einrichtung die Möglichkeit, zwischen mehreren „insoweit erfahrenen Fachkräften“ auszuwählen, kann diejenige angefragt werden, die passend zum speziellen Fall (z.B. bei sexuellem Missbrauch) die meiste Erfahrung hat.


Wann spricht man von Sozialer Benachteiligung?

Sozial benachteiligt sind Kinder und Familien dann, wenn ihre Chancen zur Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt sind. Aufgrund mangelnder Ressourcen (z.B. zu wenig Geld, kein Wissen, fehlende Kompetenzen) können sie an bestimmten Aktivitäten nicht teilnehmen.


Was bedeutet Prävention?

Unter Prävention sind jegliche Maßnahmen (Interventionen) zu verstehen, die einer unerwünschten Entwicklung vorbeugen sollen. Primärprävention setzt im Vorfeld an, bevor eine unerwünschte Entwicklung beginnt. Dazu gehören zum Beispiel vertrauensvolle Elterngespräche in der Eingewöhnungszeit, welche die Weichen für eine gute Erziehungspartnerschaft stellen.
Sekundärprävention soll die Weiterentwicklung einer ungünstigen Entwicklung verhindern. Das kann zum Beispiel bedeuten, in ihrer Erziehung unsicheren Eltern eine Erziehungsberatung in einer Beratungsstelle zu vermitteln. Tertiärprävention soll bereits eingetretene Schäden verringern. Das geschieht zum Beispiel durch eine Meldung an das Jugendamt, damit mehr Möglichkeiten zum Schutz des Kindes eröffnet werden.


Was ist Resilienz?

Resilienz (Widerstandsfähigkeit) ist die Fähigkeit von Kindern, sich trotz schwieriger Lebensumstände gesund zu entwickeln. Resiliente Kinder schaffen es, mit den Problemen so umzugehen, dass sie daraus für sich eine besondere Stärke entwickeln. Es gibt Resilienzfaktoren, die diese Entwicklung ermöglichen: Das sind zum einen Potenziale und Kompetenzen der Kinder und zum anderen Personen, Aktivitäten und Institutionen, die unterstützend wirken.


Was sind Widerstände im Gespräch?

Widerstände bezeichnen die Abwehr des Gesprächspartners gegenüber Kritik, unliebsamen Botschaften oder des Gesprächs an sich. Sie sind zurückzuführen auf Gefühle der Angst und Unsicherheit, die als Bedrohung erlebt werden. Widerstände sind demnach Schutzmechanismen, die für die Stabilität einer Person so wichtig sind, dass ein Durchbrechen und überzeugen schwer möglich ist. Im Gespräch sollten sie als seelische Schutzfunktion wahrgenommen und stehen gelassen werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass eine Mutter sagt, sie war schon in der Beratungsstelle, wobei Sie die Rückmeldung der Mitarbeiterin haben, dass sie nicht dort war. Um
weiter am Ziel zu arbeiten, dass die Mutter Beratung in Anspruch nimmt, ist es nicht notwendig, dass sie „die Wahrheit“ zugibt. Vielleicht ist ihr die Schwelle, allein dahinzugehen zu hoch. Sie könnten darauf eingehen, indem Sie sagen „Sie haben sich dort nicht so wohlgefühlt? Vielleicht könnten Sie sich eher vorstellen, mit einer Freundin zusammen zum Mutter-Kind- Frühstück des Familienzentrums zu gehen? Es ist wichtig, an dieser Sache dran zu bleiben.“


 

Was ist Traumapädagogik?

Kinder verarbeiten schmerzhafte Erfahrungen unterschiedlich. Oft zeigen sie besondere Verhaltensweisen, wenn sie sich an das Erlebte erinnert fühlen. Nicht selten kommen pädagogische Fachkräfte im Umgang mit traumatisierten Kindern an ihre Grenzen. Die Traumapädagogik bietet Ansätze, das Verhalten der Kinder richtig zu deuten und in pädagogischen Kontexten angemessen damit umzugehen. Die Kinder bekommen dadurch die Möglichkeit, Wege zu fi nden, mit den unangenehmen Gefühlen zurechtzukommen und neue positive Lebenserfahrungen zu machen. Der Begriff Traumapädagogik steht für Konzepte, Übungen und Methoden, mit traumatisierten Kindern zu arbeiten (z.B. das A.K.T® Affektkontrolltraining).


Welche Bedeutung haben eigene Gewalterfahrungen für den Blick auf das Kindeswohl?

Wie andere Menschen haben auch Erzieherinnen und Erzieher sowie Tagesmütter und Tagesväter in ihrem bisherigen Leben Gewalterfahrungen gemacht.

Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen sein: als Opfer oder Täter, als Zuschauer oder Mitwissende, in den Fernsehnachrichten oder im Kinofilm. Das Miterleben von Gewalt beeinfl usst das Empfi nden, die individuelle Sensibilität gegenüber dem Thema und wirkt sich auf die Wahrnehmung bei Kindeswohlgefährdung aus.

Das bedeutet, wer selbst Gewalt erfahren hat, kann bestimmte Gefährdungen bei Kindern vielleicht nicht erkennen, weil Gewalt als „Normalität“ erlebt wurde oder eigene Erinnerungen zu schmerzhaft sind, verdrängt und damit bei der Wahrnehmung ausgeblendet werden. Dabei variiert das persönliche Empfi nden von Person zu Person. Ebenso ist es möglich, dass Gewalterfahrungen mit einer erhöhten Sensibilität einhergehen, so dass in der Wahrnehmung von Kindern Anteile der eigenen Geschichte hineininterpretiert werden. Aufgrund dieser möglichen Verzerrungen ist eine bewusste Refl exion eigener Gewalterfahrungen für den professionellen Umgang mit Kindswohlgefährdung wichtig.